Kurze überzeugende Darstellung von Foucaults Dispositivbegriff
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Was ist ein Dispositiv? (Broschiert) Agamben schafft es auf den kaum vierzig Seiten dieses kleinen Buches, eine bestechende Klarheit über einen der wichtigsten Begriffe der foucaultschen Philosophie zu vermitteln. Der Begriff Dispositiv taucht bei Foucault erstmals im 1976 erschienenen ersten Band von 'Sexualität und Wahrheit' auf, ohne dort auch nur ansatzweise ausgeführt zu werden. Agamben arbeitet mit Verweis auf ein Gespräch Foucaults aus dem Jahr 1977 drei zentrale Eigenschaften des Dispositivbegriffs heraus. Erstens erweitert 'Dispositiv' den vorher bei Foucault dominierenden Begriff 'Diskurs'. Ein Dispositiv beinhaltet demnach neben den diskursiven Elementen auch materiale, wie beispielsweise Institutionen und Gesetze, die sich die Diskurse aneignen. Zweitens existiert und funktioniert ein Dispositiv immer in Machtverhältnissen. Das bedeutet aber nicht, dass wir in all unseren Handlungen stets durch Macht determiniert sind. Foucault wendet sich gegen die liberale und marxistische Illusion einer Befreiung von jeglicher Macht. Dispositive funktionieren innerhalb von Machtverhältnissen, die wir in Frage stellen, denen wir uns aber nicht völlig entziehen können, da sie Bedingungen von Subjektivität sind (diesen Punkt übersehen eben jene Leute, die Foucaults Machtbegriff immer noch nicht verstehen wollen; siehe den obigen Kommentar). Drittens korrelieren die Machtverhältnisse mit Wissensverhältnissen. Foucault führt den Begriff des Dispositivs im Zusammenhang mit der Sexualität ein, um zu zeigen, wie die Sexualität zu einem Element innerhalb der Macht- und Wissensverhältnisse wird und auf der diskursiven und materialen (z.B. durch die Psychiatrie, das Gerichtswesen) Ebene besetzt wird. Dispositiv kann nach Agamben bei Foucault im Sinne einer 'Universalie' bezeichnet werden, da es ein Netz zwischen verschiedenen diskursiven und nicht-diskursiven Elementen bildet und innerhalb von Macht- und Wissensverhältnissen verwoben ist.
Agamben geht nun über Foucault hinaus, indem er eine Genealogie des Dispositivbegriffs schreibt, die bis in die Antike reicht. Hier bringt Agamben dann seine eigene Theorie ein, die er eine 'theologische Genealogie der Ökonomie' nennt. Er unterscheidet die Dispositive von den Lebewesen. An dieser Stelle wird dann deutlich, warum Dispositive nicht völlig abgeschafft und delegitimiert werden können. Denn erst im Zusammenwirken zwischen Lebewesen und Dispositiv entsteht ein Subjekt. Das Dispositiv ist eine Bedingung von Subjektivität (hier korrespondiert Agamben mit Foucault) und deshalb ist es auch völlig unmöglich, Dispositive komplett in Frage zu stellen. Sie verunmöglichen nicht jede Subjektivität, sondern ermöglichen sie erst. Die Kritik gilt dann freilich der Frage, welche Dispositive problematische Subjektivierungsverhältnisse implizieren.
Alles in allem eine kurze und sehr klare Darstellung eines Begriffs, der bei Foucault immer im Dunklen blieb, von einem der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 4. Juli 2011
Kundenrezensionen:
2. Kurze überzeugende Darstellung von Foucaults Dispositivbegriff (die aktuell angezeigte Rezension)
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